Tumor-Nachsorge

Qualitätsnetz Gastroenterologie Hessen

Merkblatt zur Nachsorge von kolorektalen Karzinomen

Das kolorektale Karzinom ist das dritthäufigste Karzinom in der westlichen Welt und führt von allen Tumoren am zweithäufigsten zum Tode. Im folgenden sind unsere Leitlinien zur Nachsorge des kolorektalen Karzinoms in tabellarischer Form zusammengefasst. Diese knappe Form wurde im Interesse einer schnellen Übersicht gewählt. Diese Leitlinien lehnen sich an die Leitlinien der DGVS an. Jedoch legen wir bei der Beurteilung zusätzlich Qualitätskriterien fest, die aufgrund unserer Erfahrungen für die richtige Einschätzung des zu versorgenden Patienten wichtig sind. Für die operative Versorgung sind die niedergelassenen Fachkollegen in der glücklichen Lage, sich den Chirurgen aussuchen zu dürfen.

  • Hierbei sind der offene Dialog, die Erfahrung und die Langzeitergebnisse des operierenden Kollegen besonders wichtig.
  • Ist der Kollege auf dem neuesten Stand, werden bei den Patienten die neuesten und besten operativen Verfahren durchgeführt? Beim Rektumkarzinom ist es mittlerweile Standard, das gesamte Mesorektum mit zu resezieren. Mit diesem Verfahren wurden die besten Langzeitergebnisse erzielt, so daß hier nachgefragt werden sollte, ob der Chirurg diese OP- Technik beim Rektumkarzinom durchführt.
  • Da die Verlaufskontrolle stadienabhängig ist, ist es besonders wichtig, daß der Lymphknotenstatus differenziert aufgeführt wird, d.h. wie viele Lymphknoten entnommen wurden und wie viele hiervon vom Tumor befallen sind. Günstig ist es hierzu, den Operationsbericht und den Bericht des Pathologen über die histologische Untersuchung des Resektates zu erhalten. Falls nicht genügend Lymphknoten reseziert wurden, d.h. der Standard nicht eingehalten wurde, oder aber keine differenzierten Angaben zu erhalten sind, so ist von einem positivem Befall auszugehen und die Verlaufskontrolle einem entsprechend höheren Stadium anzupassen.

Tabelle I
Nachsorge des Rektumkarzinoms

Untersuchung Monate

6 12 18 24 36 48 60
Anamnese, körperliche Untersuchung, CEA b,d b,d b,d a,b,d b,d b,d a,b,d
Sonographie des Abdomens b b b b b b b
Röntgenuntersuchung des Thorax (in 2 Ebenen)
b
b b
b
Rektoskopie, Sigmoidoskopie, evtl. Endosonographie b,d b,d b,d
c c
Koloskopie


a,b,d

a,b,d

a: Nachsorgeempfehlung bei Patienten mit Rektumkarzinom UICC-Stadium I . Nach dem 5. Jahr alle 3 Jahre Koloskopie
b: Nachsorgeempfehlung bei Patienten mit Rektumkarzinom UICC-Stadium II-III
c: Nach adjuvanter Strahlen-/Chemotherapie wegen verzögert auftretender Lokalrezidive
d: Nachsorgeempfehlung bei Patienten mit Rektumkarzinom nach lokaler Excision

Tabelle II
Nachsorge des Kolonkarzinoms

Untersuchung Monate

612 18 24 36 48 60
Anamnese, körperliche Untersuchung, CEA c,d c c a,b,c c c a,b,c
Sonographie des Abdomens b b b b b b b
Röntgenuntersuchung des Thorax
b
b b
b
Koloskopie


a,b,c

a,b,c

a: Nachsorgeempfehlung bei Patienten mit Kolonkarzinom UICC-Stadium I
b: Nachsorgeempfehlung bei Patienten mit Kolonkarzinom UICC-Stadium II-III
c: Nach endoskopischer Abtragung

Kommentar zu den Tabellen

Falls eine komplette Untersuchung des Kolon praeoperativ nicht möglich war, erfolgt 3 Monate postoperativ eine Koloskopie. Die o.g. Endoskopie-Intervalle sind selbstverständlich nicht einzuhalten, falls der Patient Beschwerden hat oder Komplikationen auftreten (z.B. peranale Blutung). Bei manchen Patienten ist eine Beurteilung mit einer Sonographie des Abdomens nicht möglich.
In diesen Fällen oder bei sonographisch suspekten Befunden sollte eine Computertomographie durchgeführt werden. Die Röntgenuntersuchung des Thorax wird von einigen Autoren nicht als obligat angesehen.
Die Nachsorge nach endoskopisch vollständiger Abtragung von Adenomen erfolgt nach 3 Jahren.

Anschrift des Verfassers:
Privatdozent Dr. med. S. Güldütuna, Große Bockenheimer Str. 35, 60313 Frankfurt am Main