INTERNETBASIERTE QUALITÄTSSICHERUNG IN DER GASTROENTEROLOGIE

Ein Pilotprojekt der KV Hessen und des
Qualitätsnetz Gastroenterologie Hessen

Lange Zeit basierten Qualitätssicherungsverfahren in der Medizin auf einer papiergebundenen Dokumentation. Daß dieser Ansatz zahlreiche Schwierigkeiten mit sich bringt, muß im Zeitalter elektronischer Kommunikation nicht weiter erläutert werden. EDV-Lösungen im Sinne einer Dokumentation per Diskette waren daher der nächstliegende Schritt, umgesetzt seit einigen Jahren beispielsweise im Bereich der invasiven Kardiologie im ambulanten Bereich in Hessen.

Ein technisch vollkommen neuer, innovativer Ansatz findet sich nun in der Gastroenterologie: die internetbasierte Qualitätssicherung.
Ausgangspunkt für diese Entwicklung ist eine Vereinbarung der KV-Hessen mit der Techniker Krankenkasse (TK) Hessen. Für einzelne Leistungsbereiche wie Gastroskopien und Coloskopien wurde eine Einzelleistungsvergütung zu festen Punktwerten vereinbart, gekoppelt an eine indikations- und ergebnisorientierte Qualitätssicherung. Dieses Projekt ging im Mai 2000 in Planung und die Umsetzung beginnt im April 2001 nach Vertragsabschluß im Januar.

Die Grundlagen jeder Dokumentation und Qualitätssicherung in der Medizin bilden Befunde mit einer allgemeinverbindlichen Terminologie. Erste Versuche wurden 1994 als "minimal standard terminology" formuliert. Die praktische Anwendung erfolgte aber nicht im erwarteten Umfang.

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Software-Unternehmen ESKUELL, der KV - Hessen und Prof. Koop, Berlin, entwickelten Frankfurter Gastroenterologen eine internet- und damit online- basierte Dokumentationsform für Gastroskopien und Coloskopien. Der Nomenklatur der endoskopischen Befunde wurde die Leitlinie "Endoskopische Terminologie" der Dt. Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zugrundegelegt (Heldwein,W; Rösch,T; Z Gastroenterol (Suppl 3) 1999).
In einem mehrwöchigen Vorlauf wurde das System hinsichtlich Software (Administration in Berlin) als auch auf der Anwenderebene (Ärzte) getestet. 20 Praxen aus dem Rhein-Main-Gebiet erlernten schnell die Dokumentation endoskopischer Untersuchungen im Internet. Voraussetzung für den Anwender waren lediglich ein durchschnittlicher PC sowie ein beliebiger Internet-Zugang. Der Datenschutzbeauftragte in Hessen prüfte und genehmigte die Verschlüsselung personenbezogener Daten. Bisher wurden die Befunde von ca. 8000 endoskopischen Untersuchungen im Magen und Dickdarm online via Internet dokumentiert.

Das Dokumentationssystem stellt die tägliche Verfügbarkeit aller Daten sicher und erlaubt vielfältige Auswertungen, z.B. für wissenschaftliche, epidemiologische, ökonomische und honorarpolitische Fragestellungen. Entscheidend ist die Möglichkeit, Maßnahmen der Qualitätssicherung unmittelbar durchzuführen und auf etwaige Verletzungen diagnostischer oder therapeutischer Standards ohne jegliche zeitliche Verzögerung zu reagieren.

Alle bisherigen Versuche in der Medizin, mittels EDV die Kommunikation, Dokumentation und Qualitätssicherung zu etablieren, scheiterten bisher an der Vielfalt der IT-Systeme, der Schnittstellenproblematik, der Unfähigkeit der Anwender im Umgang mit Informationstechnologie, hohen Servicekosten sowie an unzureichendem Datenschutz.

Das Pilotprojekt "Internetbasierte Qualitätssicherung" löst alle diese Probleme: das vorgestellte System arbeitet effektiv und störungsfrei, ist leicht erlernbar und fordert als Systemvoraussetzung lediglich einen durchschnittlichen PC mit Internetzugang. Online-Qualitätssicherung ist erstmals realisiert. Das System ist nicht nur in der Gastroenterologie, sondern in allen Bereichen der Medizin zur Qualitätssicherung problemlos einsetzbar.

Dr.H. Bock
Zeil 123
60313 Frankfurt
Dr.H.Herholz
Leiter Qualitätssicherung
KV Hessen
Dr.A.Rambow
Zeil 65-69
60313 Frankfurt
E-Mail Dr.H.Bock@t-online.de Harald.Herholz@kvhessen.de Axel.Rambow@t-online.de
Homepage www.Gastronetz-Hessen.org www.kvhessen.de www.Gastronetz-Hessen.org