Endoskopie des Gastrointestinaltraktes
(in Anlehnung an den Richtlinienentwurf zur Qualitätssicherung in der gastrointestinalen Endoskopie)

Die im Qualitätsnetz Gastroenterologie Hessen zusammengeschlossenen Gastroenterologen verpflichten sich zur Einhaltung bestimmter Qualitätsrichtlinien, die sich in Anforderungen an die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität gliedern.Ziel dieser ständig neuüberarbeiteten Richtlinien ist es, die Qualität der gastrointestinalen Endoskopie im ambulanten Bereich auf einem hohen Niveau sicherzustellen.

Anforderungen zur Strukturqualität

Die persönliche Qualifikation des endoskopierenden Arztes erfordert einen Facharztstandard entsprechend den Richtlinien der Bundesärztekammer mit schwerpunktmäßiger Tätigkeit im Bereich der Gastroenterologie (formale Kriterien sind mindestens 200 Gastroskopien und 100 Coloskopien pro Quartal oder das Führen der Teilgebietsbezeichnung Gastroenterologie). Außerdem trägt der Arzt für die geeignete Qualifikation des Assistenzpersonals die Verantwortung.
Die Beteiligung des Arztes an Qualitätssicherungsmaßnahmen im Rahmen einer Teilnahme im gastroenterologischen Qualitätszirkel ist erforderlich.

Die räumlichen Anforderungen erfordern ausreichend Platz für Patient, Endoskopieteam und Geräte. Es sollten getrennte Entsorgungs- und Aufbereitungsbereiche bestehen. Für die Patienten sollte ein Umkleide- und Aufwachbereich vorhanden sein.

Das Endoskopie-Instrumentarium sollte nur noch aus vollständig eintauchbaren wasserfesten Endoskopen bestehen, die Geräte müssen einwandfrei und sicher aufbereitet werden können.
Die apparativen Anforderungen umfassen einen Untersuchungstisch/-stuhl mit fachgerechter Lagerungsmöglichkeit, Geräte zur Patientenüberwachung (z.B. Pulsoxymeter), Instrumentarium und Medikamente zur Infusions-, Schock- und Reanimationsbehandlung, die Möglichkeit zur Absaugung und zur Sauerstoffversorgung.

Die hygienischen Anforderungen verlangen es, daß in jeder Praxis ein einsehbarer Hygieneplan existiert. Es erfolgen regelmäßige hygienische Kontrollen durch ein externes unabhängiges Institut.
Es wird eine fachgerechte Reinigung, Desinfektion und Sterilisation mit offiziell geprüften und wirksamen Mitteln und Verfahren durchgeführt.
Die regelmäßig nach jeder Endoskopie durchzuführenden Maßnahmen sind darauf auszurichten, dass sie auch im Falle einer Virushepatitis-, Tuberkulose- oder HIV-Infektion die Verbreitung von Krankheitserregern sicher unterbinden.
Für jeden Patienten sind ein frisch aufbereitetes Endoskop und Zubehör (Zangen, Schlingen) zu verwenden.
Bei der Aufbereitung der Endoskope ist zwischen manueller, halbautomatischer und automatischer Aufbereitung zu unterscheiden.

1. Manuelle Geräteaufbereitung

Beim Herausziehen des Endoskopes nach dem Eingriff sind sofortäußere Verunreinigungen mit einem Einwegtuch abzuwischen. Die Geräte sind unmittelbar nach der Endoskopie aufzubereiten, um ein Antrocknen organischen Materials zu verhindern.
Zur Reinigung das Fiber- oder Video-Endoskop komplett in eine reinigende Desinfektionslösung einlegen. Dichtigkeitstest nach Herstellerangaben durchführen. Abwischen des Gerätes. Sämtliche Ventile und Distalkappen entfernen. Bei Duodenoskopen Albaranhebel in Mittelstellung bringen. Biopsie-/Absaugkanal mit einer flexiblen Reinigungsbürste reinigen. Biopsie-/Luft-/Wasserspülkanal mit dazugehörenden Desinfektionsadaptern verbinden und mit Desinfektionsmittel/Reinigungsverstärker flüssig durchspülen. Nach der Reinigung sämtliche Kanäle der Endoskope mit Leitungswasser durchspülen.
Gereinigtes Fiber-/Videoendoskop mit Zubehörteilen vollständig in die Desinfektionslösung einlegen. Sämtliche Kanäle blasenfrei mit Desinfektionslösung füllen (Desinfektionsadapter verwenden). Konzentration und Einwirkzeiten richten sich nach den Angaben der Produkthersteller.
Ausreichendes Spülen der Endoskope und deren Kanäle mit Leitungswasser. Trocknung mit Druckluft (Sterilfilter vorschalten). Trocken und staubfrei in entsprechenden Schränken, hängend oder liegend, lagern.

2. Halbautomatische Geräteaufbereitung

Hier wird der Reinigungsschritt wie oben dargestellt manuell vollzogen, Desinfektion und Spülen erfolgen maschinell.

3. Automatische Geräteaufbereitung

Aufbereitung von Endoskopen nur in geschlossenem System. Gründliche Reinigung des Endoskops einschließlich seiner Kanäle.
Signalisierung von Dichtigkeitsdefekten der Endoskop-Ummantelung und von Störungen der Durchgängigkeit der Kanäle (in diesem Fall Abbruch der Aufbereitung). Standardisierter Ablauf von Reinigung und Desinfektion mit vorgegebener Menge und Konzentration des Reinigungs-/Desinfektionsmittels. Hierdurch vollständige Elimination pathogener Keime.
Abschließende Spülung und Trocknung des Endoskops und seiner Kanäle im geschlossenen System.
Die Konstruktion und Funktionsweise der Maschine muss ausschließen, dass sich Keimansammlungen bilden, die mit dem Endoskop in Kontakt kommen können.

Zur Aufbereitung von Kleinteilen wie Ventilen und Endoskopiezubehör wie Zangen, Schlingen etc. wird vor der Desinfektion/Sterilisation ein Ultraschallreiniger eingesetzt.

Die Patienten sind über die geplanten Eingriffe umfassend aufzuklären. Dieses umfasst auch Risiken und Alternativverfahren und eventuelle Nachbehandlungen. Das Einverständnis des Patienten zum Eingriff und ggf. zur Praemedikaton ist zu dokumentieren. Bei endoskopisch-therapeutischen Eingriffen mit hohem Risiko muss entweder der endoskopierende Arzt oder ein dem Patienten zu benennender nachbehandelnder Arzt ständig erreichbar sein. Die Vertretung ist schriftlich festzulegen, der Vertreter muss umfassendüber den Eingriff mündlich oder schriftlich informiert sein. Der für die Endoskopie verantwortliche Arzt hat für eine ggf. postinterventionell notwendig werdende stationäre Behandlung Sorge zu tragen. Ein geregelter Informations- und Dokumentenfluß zwischen den beteiligtenÄrzten mit zeitgerechter Befunderstellung und -übermittlung ist zu gewährleisten.

Maßnahmen zur Prozessqualität

Der für die Endoskopie verantwortliche Arzt entscheidetüber Art und Umfang der Endoskopie. Dies geschieht in Abstimmung mit dem Patienten unter Einbeziehung desüberweisenden Arztes und unter Abwägung seines häuslichen Umfeldes.
Zur Gewährleistung von Sicherheit und Akzeptanz der endoskopischen Untersuchung ist - wenn erforderlich - eine ausreichende Prämedikation in Abstimmung mit dem Patienten durchzuführen. Bei der Prämedikation ist eine pulsoxymetrischeÜberwachung die Regel.

Sicherung der Ergebnisqualität

Maßnahmen zur Sicherung der Ergebnisqualität sind vergleichende überprüfungen der Indikationen und Behandlungsergebnisse der durchgeführten Endoskopien im Rahmen des Qualitätsnetzes Gastroenterologie Hessen, Patientenfragebögen zur Erhebung der Patientenzufriedenheit, regelmäßige interne Prüfungen anhand der vorgestellten Leitlinien.

Es erfolgt eine Dokumentation entsprechend den allgemeinen Empfehlungen. Sie umfasst:

  • Indikation zum endoskopischen Eingriff
  • Art der Endoskopie
  • endoskopischer Befund
  • soweit vorhanden histologischer und/oder mikrobiologischer Befund
  • Abschlußdiagnose (Text und ggf. ICD-Schlüssel), wenn vorhanden unter Einbeziehung der Zusatzuntersuchungen
  • evtl. auftretende Komplikationen sind zu dokumentieren